Selbst
drei Wochen danach und nach Abklingen der Euphorie kann mit
Fug und Recht gesagt werden: Philippsburg erlebte am 12. und
13.6.2009 einen zweifachen wunderbaren Sommernachtstraum.
Hunderte von begeisterten Zuschauern ließen sich mitreißen
und spendeten spontan Beifall für eine großartige
Leistung, auf die alle Mitwirkenden stolz sein können.
Hunderte dürften es aber auch bereuen, das Schauspiel
um Liselotte von der Pfalz versäumt zu haben.
"Die Pfalz ist ein gelobt Landt!" war das erste
"Heimspiel" für Regisseur und Autor Hugo Wunsch
in seiner Heimatstadt Philippsburg. Und es passte sehr gut
in die an Kriegen reiche Geschichte der ehemaligen fürstbischöflich-speyerischen
Festungs- und Residenzstadt, deren Nachbar Kurpfalz in manche
dynastischen Händel verwickelt war. |
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Dass
anlässlich des 1225-jährigen Stadtjubiläums
das Ensemble aus Rheinzabern in die ehemalige "Hauptstadt"
kam, erinnerte zusätzlich an alte Zeiten. Damals kamen
die Rheinzaberner Untertanen sicherlich nicht als Schauspieler,
sondern als Bittsteller. Immerhin, so Ortsbürgermeister
Gerhard Beil bei seinen Grußworten, verbinden beide
Orte über 1000 Jahre gemeinsame Geschichte, von der
es vieles wieder zu entdecken gilt.
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Was
zögerlich begann, entwickelte sich zu einem phantastischen
Event, bei dem alle Mitwirkenden zur Hochform aufliefen,
als hätten sie in den letzten Wochen ständig
geprobt. War man nach sechs Aufführungen und fast
30 Proben im Jahre 2004 des Spiels um Liselotte überdrüssig,
so endete es diesmal gerade, als es am schönsten
war. |
Am liebsten
hätte man Goethes Faust zitiert: "Verweile doch,
es ist zu schön!"
Dabei gab es seit August letzten Jahres nur drei "Trockenübungen"
und eine "Generalprobe" vor der vertrauten Kulisse.
Doch das Ensemble fühlte sich sofort heimisch. Abgesichert
durch die souveräne Souffleuse Annemarie Faust und mitgerissen
durch "Perkeo" Tobias Schwan, der selten so gut
war, konnten sich auch die anderen Mimen, vom Kurfürsten
bis zum letzten Kind, von Prinzessin Liselotte bis zur Hofdame,
diesem Elan nicht entziehen. Auch das Dutzend "Ersatzspieler"
fügte sich nahtlos ein, als ob es schon immer so gewesen
wäre. Ganz zu schweigen von den Philippsburger Mitwirkenden,
ob Kinder aus dem Kinderhort oder Familie Wolsiffer samt Freunden.
Geschickt hatte Hugo Wunsch eine ganze Palette an Emotionen
geweckt, denen sich nur wenige entziehen konnten. Er spielte
regelrecht auf der Tastatur der Gefühle, zum Höhepunkt
kommend, als die Abschiedslieder erklangen und Liselotte in
der prächtigen Kutsche Herrn Hambschs in die Nacht entschwand. |
| Und
was wäre Freilichttheater ohne das entsprechende Wetter?
Unmittelbar vor dem Spiel hatte der Philippsburger Stadtpfarrer
Thomas Maier noch um den Wettersegen gebeten - und ward erhört.
Ein Sternenhimmel wie selten, verziert von der Mondsichel,
dem Symbol der Muttergottes, Schutzpatronin der Pfarrkirche,
und ein laues Lüftchen ließen den Abend zum Erlebnis
werden. Backstage - hinter der Bühne - flanierten derweil
die Hofdamen und Adligen unter den Platanen des Kirchplatzes,
als ob sie im Park von Versailles oder im Hortus Palatinae
zu Heidelberg lustwandelten. Es bereitete große Plaisir,
dies zu beobachten, aber die Schauspieler wurden auch durch
großartige Bewirtung bei Lust und Laune gehalten. Ein
Team des Heimatvereins um Frau Helga Steinel-Hofmann und der
Stadtverwaltung, nicht zuletzt auch Frau Marion Bastel, kümmerte
sich um jedes Detail. Die Damen wuchsen über sich selbst
hinaus und taten weit mehr als ihre Pflicht. |
| Ebenso
hatten Roswitha Hänlein und Gisela Marz generalstabsmäßig
die Garderobe gerichtet, deren Transport nach Philippsburg
organisiert und sie dort für jedermann bereit gehalten.
Für das Schminken zeichnete wieder Moritz Marz mit Freunden
und Mama verantwortlich. Ilona Burger war extra angereist,
um den Sitz der Perücken zu kontrollieren. Für kleinere
Flickarbeiten hielt Schneidermeister Robert Harter Nadel und
Faden bereit. In den Räumen der Volksbank Bruhrain-Kraich-Hardt
erlebten die Schauspieler hervorragende Gastfreundschaft.
Reibungslos funktionierte der Transfer von Mimen und Chören
über den Rhein, und am zweiten Abend konnte ein "harter
Kern" sogar noch beim MV Lyra auf dem Marktplatz ein
"Nachspiel" bis zum frühen Morgen aufführen.
Zuvor aber mussten die Bretter, die die Welt bedeuten, gemeistert
werden. Tadellose Vorarbeit dafür hatte der städtische
Bauhof geliefert, der eine ellenlange "Wunsch"-Liste
abzuarbeiten hatte und gekonnt die Bühne samt Drumherum
auf- und abbaute. |
| Es
war wirklich eine großartige Leistung, deren Detailprobleme
sich kaum jemand vorstellen konnte, als man den ehemaligen
"Hauptstädtern" zusagte. Stefan Martus, Bürgermeister
und Schirmherr, dürfte zufrieden sein. Er hatte die Gäste
begrüßt, während Ortsbürgermeister Gerhard
Beil, der übrigens die Rolle des Gelehrten Urbain Chevreaux
spielte, die Absage übernommen hatte, bei der er allen
dankte und die wichtigsten Personen besonders würdigte.
Nicht zuletzt dankte er auch Regisseur Hugo Wunsch, der stilgerecht
in der Sänfte zur Bühne getragen wurde, um dort
den verdienten Beifall entgegenzunehmen - und zu genießen.
Es tat ihm sichtlich gut. Natürlich war es auch ein spezieller
Dank der Rheinzaberner Theatertruppe an "de Hugo",
dem die Rheinzaberner viel zu verdanken haben. Insbesondere
entstand bei der Bewältigung dieser großen Aufgabe
richtiger generationenübergreifender Teamgeist, auf den
es sich zukünftig bauen lässt. |
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den denkwürdigsten Momenten indes gehörte zweifellos
der Moment, als eine blinde Dame, die in Begleitung "Die
Pfalz ist ein gelobt Landt" verfolgt hatte, mit ihrem
Tastsinn die wunderschönen Kostüme betrachtete. |
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| Insgesamt
haben sich die Rheinzaberner in Philippsburg als großartige
Botschafter ihrer Gemeinde präsentiert. Sei zum Schluss
noch eine nicht ganz ernst gemeinte Anmerkung gemacht: Sollten
die ehemaligen Untertanen aus Rheinzabern in Philippsburg
noch eine Schuld offen gehabt haben, so ist diese mit dem
Spiel sicherlich endgültig getilgt. |
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